Unerhört – der Podcast

Wer sind die Menschen, die München zu einer weltweiten Kulturstadt machen? Welche musikalischen Geheimtipps verstecken sich in dieser Stadt? Und welche Hotspots machen den Besuch in München einmalig für jeden Musikfan? Joanna vom „Munich – City Of Music“-Team stellt euch bei „Unerhört“ regelmäßig die Menschen und Locations in München vor, von denen jeder Musikfan auf jeden Fall gehört haben sollte!

Sissi Perlinger ist ein menschgewordenes Gesamtkunstwerk. Sie lebt für ihr Publikum und für ihre Kunst. Dazu zählen Gesang, Tanz, Schauspielerei und Kabarett. Sie ist Weltenbummlerin und wurde durch Aufenthalte unter anderem in Paris, New York und Los Angeles über die Jahre zur Vollblut-Entertainerin. Ihre Liebe zur Stadt München begleitet sie bis heute. Was diese Stadt für sie so einzigartig macht und was sie sich für die Zukunft der Münchner Kulturszene wünscht, verrät sie in der ersten Folge von MCOMs „Unerhört“.

Ist München für dich eine Musikstadt?

Ich würde sagen, früher war München wirklich eine ganz weltberühmte Musikstadt – wie viele große Rockbands hier waren, aufgenommen haben, was hier für Konzerte stattgefunden haben. Wir haben das große „Tollwood“-Festival, wo große Bands kommen und kamen. Das Schöne und Bezaubernde an München ist, dass es relativ überschaubar ist. Es ist eine kleine Stadt. Es ist nicht wie in Berlin oder gar in LA, dass wenn du an der südlichen Ecke bist und du würdest gern im Norden etwas sehen, du es fast vergessen kannst, weil es eine Weltreise ist. München ist eigentlich eine sehr einladende, nette, kleine Puppenstadt mit doch noch erheblichem Musikangebot.

Du bist in München aufgewachsen: Wie hat dich die Stadt als Künstlerin geprägt?

Sissi PerlingerIch habe in den frühen 80er-Jahren angefangen und muss sagen, da waren die Türen wirklich offen. Da konnte man die skurrilsten Dinge machen und alle waren begeistert. Ich habe wirklich teilweise jeden Abend irgendwo gespielt; in einer Disco oder auf einer Geburtstagsfeier oder auf den Kleinkunstbühnen. Dann gab es Mischprogramme, da konnte man eine Viertelstunde auftreten. Marianne Sägebrecht hat hier unglaublich viel angekickt und die ganze, sehr zerstreute, bunte Szene aus bunten Leuten zusammengebracht. Durch sie habe ich auch ganz viele Auftritte bekommen. In dem Moment, in dem ich gesagt habe „So, jetzt lebe ich da davon“, hat es wirklich auch so hingehauen. Und dann ging es eigentlich immer bergauf. Also ganz spielerisch.

Du bist Schauspielerin, Autorin, Musikerin und Kabarettistin: Was davon machst du besonders gerne?

Besonders gerne mache ich das, wo ich mich immer weiterentwickele. Ich wollte ursprünglich Tänzerin werden, meine ersten Shows waren sehr tanzlastig. Dann war ich in einer Band, habe ganz viel gesungen. Dann habe ich immer mehr Songs gemacht. Dann habe ich plötzlich kapiert, dass es ganz wichtig ist, dass die Leute auch eine Geschichte kriegen und lachen können. Und dann haben sie mich als Schauspielerin engagiert. Dann habe ich gedacht, dass es in der Schauspielerei ganz entscheidend ist, dass du die Dinge auch wirklich glaubwürdig rüberbringen kannst. Jetzt mag ich eigentlich am allerliebsten, dass ich das alles gemeinsam in einen zweistündigen Abend reinpacken kann, wo man sich keine Sekunde lang langweilt, und einem begeisterten Publikum hinknallen kann. Das finde ich am Schönsten an meinem Job.

Welcher Tipp, den du bekommen hast, hat dich deine Karriere über begleitet?

Ein ganz wichtiger Tipp: Schon von der ersten Gage gleich an die Altersvorsorge denken. Das würde ich wirklich jedem jungen Künstler, der anfängt, in den Beruf zu gehen, empfehlen. Dann sollte man immer versuchen, dass man möglichst viele Standbeine ausfährt. Also sich nie auf dem Ruhm ausruhen und auch nie irgendein Statussymbol kaufen oder das Geld für irgendeinen Quatsch ausgeben. Das kann von heute auf morgen, wie wir ja jetzt alle gesehen haben, schlagartig vorbei sein. Es ist ganz wichtig, dass man ein fettes Polster hat, damit man auch lange Durststrecken überwinden kann.

Sissi PerlingerWas wäre deine Wunschvorstellung für Münchens Kulturszene in 5 Jahren?

So wie man es an manchen Ecken in Berlin erlebt. Dass die Leute sich irgendwelche ehemaligen, kleinen Ladengeschäfte umbauen, Pop-up-Restaurants, Pop-up-Konzerte. Dass da Leute auch für weniger Miete noch irgendwo unterkommen können und dass der Münchner ein bisschen weltstädtischer, offener und toleranter wird. Der Traum wäre natürlich, dass alle Münchner sagen: „Hey, wir freuen uns, wenn wir jemanden Klavierspielen hören und rufen nicht die Polizei“ (lacht).

Warum ist eine Plattform wie „Munich – City Of Music“ deiner Meinung nach so wichtig?

Ich halte das für eine großartige Idee, weil mein persönliches Erleben ist Folgendes: Ich komme zum Beispiel nach Berlin, habe vier Tage Zeit, möchte gerne tolle Konzerte anhören, tanzen gehen und finde mich stundenlang am googeln bis ist sage, dass ich keinen Bock mehr habe, weil es so ein Durcheinander ist. Wenn ich dann auf einen Knopf drücken kann und eine Stadt zeigt mir alle ihre Facetten, das finde ich genial.

Mehr Infos zu Sissi Perlinger finden Sie hier: www.sissi-perlinger.de