Herbert Hauke und Sigi Müller graben ganz tief in der Schatzkiste ihrer Erinnerungen und veröffentlichen regelmäßig Anekdoten aus der Welt des Rock

Aus Blanca Macias wird Bianca Jagger

Der Fotograf Rainer Schwanke ist dabei, als eine attraktive Dame in München im Jahr 1980 weilt, um einen Film zu bewerben. Blanca Perez Mora Macias heißt die Schönheit aus Nicaragua ursprünglich. Nun ist die Frage, wen das eigentlich interessiert? Das Ganze wurde richtig interessant, als diese Frau in einer weltweit beachteten Zeremonie einen Mann aus England heiratete. Einen Sänger, den sie in Paris kennengelernt hatte. Die Hochzeit fand in St. Tropez am 12. Mai 1971 statt. Auch das hätte wohl niemanden weiter interessiert.

Aber der neue Ehemann trug den Namen Philip Michael Jagger und sie präsentierte sich in einem aufsehenerregenden Hochzeitskleid. Natürlich maßgeschneidert von Mode-König Yves Saint Laurent. Frau Macias hatte sich doch tatsächlich damals den Ober-Boss der Rolling Stones geschnappt. Und damit war Blanca Perez Mora nun doch eine Person der Zeitgeschichte geworden. Und ein kleines Stück Jet-Set-Rockhistory.

Ein magischer Moment im Olympiapark

Bei der Ausstellung „All you need is Music“ 2008 in der Eissporthalle im Münchner Olympiapark zeigte sich ein prominenter Rocker. Gitarrenlegende Matthias Jabs von den Scorpions präsentierte eine eigens für die Ausstellung gefertigte Gitarre. Rockmuseumsdirektor Herbi lässt diesen Moment vor einem tollen Plakat der unvergessenen Janis Joplin festhalten.

Danke Matthias, for the very nice support! Ach ja, in der Pariser Straße 32 bei MJ Guitars gibt es all die schönen Saiten-Teile in seinem Münchner Laden. Check it out!

 

Matthias Jabs & Herbi Hauke
Ticket Golden Earring Theaterfabrik

Goldene Ohrringe in der Theaterfabrik

Die holländischen Rocklegenden von Golden Earring gaben sich 1991 die Ehre in der Theaterfabrik Unterföhring. Die Fans waren „Eight Miles High“ und lauschten Hits wie „Buddy Joe“ und „Radar Love“. Damals war die Theaterfabrik eine der wichtigsten Konzertlocations Münchens, obwohl die Musikfans extra in die nördliche Nachbargemeinde der bayerischen Landeshauptstadt fahren mussten. Aber diesen Aufwand nahmen alle bereitwillig auf sich und haben dafür heute noch Erinnerungen an legendäre Auftritte. 

Die Theaterfabrik lebt! MCOM hat darüber schon im Herbst 2022 berichtet, hat die neue Spielstätte in Johanneskirchen schon unter den Top-Locations platziert und präsentiert die dort stattfindenden Konzerte im Eventkalender. Wenn es weitere News zur Theaterfabrik gibt, werden wir darüber berichten. Also, legt schon mal die goldenen Ohrringe an für eine Night out in der Theaterfabrik! 

Hier findet ihr außerdem einen Artikel zur neuen Theaterfabrik von unserem Chefredakteur Alex Wulkow, erschienen bei in-muenchen.de! 

 

Ginger Baker
Geht in Deckung! Ginger Baker kommt mit seiner Luftwaffe! Aber das war eine Attacke, die Freude bereitet hat. Der legendäre Cream-Drummer rockte München. Auf dem Plakat aus den frühen 70ern entschuldigte man sich für die Preiserhöhung. Denn der Konzertbesucher muss satte 11 DM abdrücken, um die Drum-Legende und seine Airforce live zu erleben. Ein Sorry für Teuerungen ist mittlerweile so selten wie dieses Plakat geworden …
Konzertplakat 1974
Ein Konzertplakat zum Staunen – von Mama Concerts aus dem Jahr 1974! Hier wird alles angekündigt, was das Publikum damals erfreute. Aus Herbis Archiv, einfach ansehen und genießen. Weiterer Kommentar überflüssig.
Kritik Zeltinger Band im Rigan Club

Eine kleine Erinnerung an den unlängst verstorbenen “Elvis von Schwabing”

Anlässlich der traurigen Nachricht, dass uns der „Elvis von Schwabing“, Richard Rigan, verlassen hat, hier eine heute historische Kritik der leider ebenfalls bereits verstorbenen Musikjournalistin Ingeborg Schober, über ein Konzert im legendären Rigan Club. Bedauerlicherweise nur eine weitere, langsam verblassende Erinnerung an fantastische Zeiten in der Münchner Musikszene. Und in diesem speziellen Fall an einen heißen Abend mit der Zeltinger Band, ebenfalls deutsche Musiklegenden. Danke Richard, danke Ingeborg!

 

SLADE – Cum on feel the noize!

Ach, was für eine schöne Erinnerung, Noddy Holder und seine Band Slade im Circus Krone 1974. Lärm, Krawall, Glitzer und Glitter! Mit meiner Kamera machte ich damals dieses Foto. Sehr fasziniert war ich bei diesem Auftritt vom Zylinder-Hut von Noddy, der mit vielen Spiegeln besetzt war und das ganze Zirkusrund mit hellen Strahlen füllte. Far, far away, aber ein lautes, fröhliches Highlight in meiner Reihe von Konzerterlebnissen. You know how to please me, Slade!

 

Slade 1974 im Circus Krone
Metallica

Diese Heavy Rocker kann man sogar der Schwiegermama vorstellen 

Ein echter Leckerbissen ist diese Promotion-Karte aus dem Jahr 1998. Da freut sich das Sammlerherz, hier mal die harten Rocker von Metallica auf völlig neue Weise zu entdecken. Diese Combo kann man doch problemlos zu Omas Tanztee einladen, oder? Nothing else matters!

 

Lustiges aus dem Rockarchiv

Peter Alexander mimt Bill HaleySo könnte die Überschrift zu diesem Sammlerstück lauten – und so haben wir sie auch genannt. Der gute Peter Alexander wurde im Stil der damaligen Zeit präsentiert. So kommt es, dass er auf diesem Plattencover doch irgendwie sehr stark an den „Rock around the clock“-Interpreten Bill Haley erinnert. Eine Anbiederung an die Zeitströmung der ganz besonderen Art. Peter Alexander blieb dann letztlich doch erfolgreich bei seinem musikalischen Stil in der Welt der Schlagermusik. Und Bill Haley hat es wohl nie erfahren. Damit schaffte es der charmante Peter jedenfalls, eine amüsante Perle in meinem Rock-Archiv zu werden.

Haschuhaschisch?

Sehr schön ist es immer, wenn man beim Graben im Archiv wieder ein ausgefallenes Stück findet. So zum Beispiel hier die Zeitschrift „Pop“ mit einem Thema, welches in den Siebziger-Jahren bereits intensiv diskutiert wurde. Es beschäftigt die Gesellschaft nun seit Jahrzehnten und ist gerade wieder topaktuell. Es war die Zeit der psychedelischen Farben und einer wahren Explosion in Kunst, Kultur und Musik. Aber wie heißt es so schön: „Wer sich an die Siebziger-Jahre erinnern kann, war nicht dabei“. Denn viele Erinnerungen bleiben wohl im Nebel der damals konsumierten „Heilkräuter“. Dazu gehörte der geheime Code: „Haschuhaschischindentaschenhaschuimmerwaschzunaschen“ – hahaha, those were the days, my friends.

Unvergessen: Dan McCafferty von Nazareth

Bei einer Sonderausstellung des Rockmuseums war er unser Stargast. Wir hatten ihn mit einer Limousine abgeholt, doch wir hätten wohl auch mit einer Rikscha kommen können. Dan war völlig ohne jede Rockstar-Attitüde, einfach nur nett und bescheiden. Diejenigen, die bei dem Auftritt dabei waren, haben wohl immer noch „Love Hurts“, „This flight tonight“ und „Dream on“ in den Ohren. Danke Dan, Du warst ein ganz, ganz großer Rock-Hero. Dream on in Heaven!

Das rockt!

Sissi Perlinger ist ein Solitär in der deutschsprachigen Kabarettszene. Ein Paradiesvogel, eine Erscheinung, schlichtweg das Wunderweib der Bühnenlandschaft. Schlicht und unauffällig – das würde der Entertainerin aus dem Bayerischen Wald absolut nicht entsprechen. Also kam Sissi Perlinger selbstverständlich im fetzigen Leoparden-Look zu einer Ausstellung des Rockmuseums München zum Thema „40 Jahre Woodstock“ in den Olympiapark. What a nice memory! Auch für den Initiator des Rockmuseums und unseres Portals, Herbi Hauke, der hier mit Sissi sauber abrockt. Vielen Dank an Sigi Müller für den tollen Schnappschuss. 

PS: In unserer Rubrik “Unerhört” haben wir die Schauspielerin und Kabarettistin auch interviewt.

Der Rocket Man fährt (zur) Formel Eins

Ja, da schau her, der junge Reginald Kenneth Dwight! Für die Sendung „Formel Eins“ reiste der „Rocket Man“ vor fast vierzig Jahren nach München. Inzwischen denkt er darüber nach, seine Karriere zu beenden. Hättet ihr ihn gleich erkannt? Kleiner Tipp: Der Mann sitzt gerne am Piano und begleitet sich selbst bei seinen Songs.

Foto: Michael Heeg

Peter Maffay

Peter Maffay bei seinem Besuch im Rockmuseum

Danke Peter, Dein Besuch im mittlerweile legendären Rockmuseum auf dem Olympiaturm war uns eine Ehre! Dieses Foto mit der Gitarre, die uns zur Eröffnung am 1.12.2004 von Leslie Mandoki überreicht wurde, ist eine bleibende Erinnerung. Signiert haben diese Gitarre übrigens Ian Anderson von Jethro Tull, Jack Bruce von Cream und viele andere Rock-Größen. Eine Musiklegende hier mit einer legendären Gitarre auf einem Foto, das passt!

Auch die eiserne Jungfrau war mal richtig jung …

Iron Maiden, die eiserne Jungfrau, kommt 2023 nach München. Die britischen Hardrocker spielen am 31. Juli und am 1. August in der Olympiahalle. 

Foto-Künstler Michael Heeg machte dieses wunderbare Bild der Jungs in etwas früheren Jahren. Da sehen sie eigentlich noch ganz harmlos aus …

Heavy Metal goes Autoscooter, jetzt aber schnell aus der Bahn!

Iron Maiden

Konzerte, bei denen man gerne dabei gewesen wäre!

Foto: Rainer Schwanke/Archiv Herbert Hauke

Das ist mit Sicherheit eines davon. 1977 präsentierte sich Bob Marley mit den Wailers im Circus-Krone-Bau. Im Wörterbuch wird “wailer” übrigens mit Jammern, Wehklagen oder Geheul übersetzt. Klingt ja erst mal nicht so toll. Aber diese drei charmanten Damen taten das sicher in sehr ansprechender Form. Bob Marley bleibt auf jeden Fall unvergessen. Nur drei Jahre später, am 1. Juni 1980, hatte er im damaligen Reitstadion Riem seinen letzten Auftritt vor Münchner Publikum. Übrigens nur wenige Wochen vor seinem allerletzten Live-Gig in Pittsburgh, Pennsylvania. Er ist definitiv einer der ganz großen Musiker, die uns viel zu früh verlassen haben.

Legenden-Treffen

Peter Maffay, Fritz Rau und Mick Jagger
Foto: Michael Heeg

Der leider viel zu früh verstorbenen Foto-Künstler Michael Heeg machte dieses interessante Bild. Im Restaurant des Olympiaturms München treffen sich 1982 Peter Maffay, Promoter-Legende Fritz Rau und Stones-Boss Mick Jagger. Mick im Freizeit-Look und Peter in seiner geliebten Lederjacke. Those were the days my friends! 

PS: Die Outfits links und rechts wären heute fast schon ein Fall für die Bad-Taste-Polizei (den Kommentar konnte sich Kollege Alex Wulkow nicht verkneifen) …

Ja, habe die Ehre, Mister Norman!

Chris Norman im Rockmuseum

What a great memory! Der Smokie-Sänger und erfolgreiche Solo-Interpret Chris Norman schaute auch im Rockmuseum vorbei. Danke Sigi Müller, das Foto bleibt eine schöne Erinnerung für unser Team und unsere treuen Besucher aus aller Welt. Wir haben übrigens entgegen aller Gerüchte damals nicht gemeinsam „Who the f… is Alice?“ gesungen. Für die, die das Rockmuseum nicht kannten, gibt es ja hier auf der Website noch eine digitale Führung durch das ehemalige Rockmuseum. Schon gesehen?

Als aus Meat Loaf Meet Love wurde

Wieder ist ein großer Musiker gegangen. Ich war Fan, schon seit der Rocky Horror Picture Show. Dann kamen die wundervollen Balladen. Opern eher als Liedchen und man hat ihm geglaubt, wenn er sang “I’d do anything for love, but I won´t do that”. Jedes Wort hat man ihm geglaubt.

Ich habe Meat Loaf einmal 2005 auf dem Sommer-Tollwood fotografiert. Es war heiß und im großen Zelt gefühlte hundert Grad. Der Schweiß lief in Strömen und die Luft stand still. In diesem Sommer waren schon einige wilde Musiker bei den herrschenden Temperaturen auf einmal nur noch halb so wild. So ging es auch Meat Loaf. Er stürmte wie ein Macho auf die Bühne, zwei hübsche Sängerinnen im Gefolge und nach recht kurzer Zeit wirkte die Hitze im Zelt. Meat Loaf hatte sichtlich zu kämpfen und seine beiden Sängerinnen mussten akustisch alles geben, um seine Stimme zu stützen.

Nun sind auch die Songs von Meat Loaf eine gewaltige Beanspruchung für die Stimme und er hielt sich wirklich tapfer. Eine seiner Sängerinnen hatte es mir angetan. Blond, super Figur und Beine bis zum Himmel, besonders verstärkt durch den Winkel aus dem Fotograben und es war schwer an ihr vorbeizuschauen. Ach ja, eine schöne Stimme hatte sie auch noch. Nun steht man als Fotograf sowieso von Haus aus nicht automatisch vor der immerwährenden Heiligsprechung und das war an diesem Abend auch bei mir nicht zu befürchten.

Trotz allem, es war ein tolles Konzert. Auf dem Weg aus dem Zelt fragte mich eine andere Fotografin, ob ich denn ein paar tolle Schüsse gemacht hätte. Ja schon, sagte ich, aber immer wenn ich die “Meet Love” gut im Sucher hatte, sprang mir der fette Kerl ins Bild. Ich ließ eine sichtlich verblüffte Kollegin zurück.

Music was his first love and it will be his last …

Als ich den John-Miles-Song „Music“ zum ersten Mal hörte, schrieben wir die 70er. Alles war bunt, quietschbunt. Die Autos, die Outfits, die Welt einfach.

Music was my first love …
Aber gleich danach kam damals Sabine. Sabine was my first love.

Mein ganzes musikalisches Leben lang hat mich der Song begleitet. Es ist nicht einfach ein Liedchen: Strophe, Strophe, Refrain, Strophe und fertig, es ist ein Werk, das Lebensgefühl der Zeit damals, Begleiter meines Lebens bis heute.

Viele Jahre später, ich begann mit der Konzertfotografie, begegnete mir dann John Miles erstmals persönlich, als musikalischer Leiter der Night of the Proms. Von da ab wurde es für mich Tradition, jeden Dezember dieses Konzert zu fotografieren und immer war für mich erst dann das Jahr zu Ende, wenn ich vor der Bühne stand, der weiße Flügel mit John Miles, wie von Zauberhand (mit einem Lift) auf der Bühne erschien und er das Intro zu “Music” spielte. Später im Song zur E-Gitarre griff, den Soloteil spielte und sich danach wieder ans Klavier setzte. Music was my first love and it will be my last. Jedes Jahr, in einer wunderbaren, zum Ritual gewordenen, geliebten Dauerschleife. Ein schönes Interview führten wir einmal, alleine in seiner Garderobe, entspannt mit einem Glas Rotwein.

Im letzten Jahr fielen die „Proms“ aus und in diesem Jahr dann die Schock-Schlagzeile: „John Miles mit 72 Jahren gestorben.” Ich kann mir die Night of the Proms gar nicht ohne ihn vorstellen. Mit vielen Künstlern stand er zusammen auf dieser Bühne und er war sich nie zu schade, auch mit unbekannteren Musikern ins Duett zu gehen. Es wird nicht mehr das Gleiche sein und wer immer ihn bei der Night of the Proms ersetzt, sie oder er wird in sehr, sehr große Fußstapfen treten.

It’s only rock´n roll, but I like it!

Sigi

Verpasste Chance

Kunstvoll bemalter U2-Trabbi1992 entstand die Idee, dass erste Deutsche Rock & Pop-Museum zu gründen. Aufgrund erster Pressemeldungen schrieb mir ein gewisser Herr Christopher Fritz eine nette Postkarte. Mit dieser bot er mir einen von Thierry Noir bemalten Trabbi an. Staunend las ich, dass er ihn bei einer Verlosung einer bekannten Musikzeitschrift gewonnen hat und gerne dem neuen Museum anbieten würde.

Der Preis lag nach meiner Erinnerung bei 12.000 DM. Als passionierter Sammler herrschte chronische Ebbe in meinem Geldbeutel. Zur Feier der Eröffnung der ersten Ausstellung des Rockmuseums stand der Trabbi aber immerhin leihweise in der Veranstaltungshalle und brachte die Besucher zum Staunen. Trotz Absperrung ließen es sich einige Fans nicht nehmen, mal kurz hinter das Lenkrad zu klettern. Der Versuch einiger U2-Jünger, etwas Lack als Souvenir abzukratzen, strapazierte die Nerven des verantwortlichen Securitymannes zusätzlich.

Letztlich hatte ich aber damals noch keinen Platz in einem dauerhaften Museum. Und leider seinerzeit nicht mal das aus heutiger Sicht wenige Geld für das historische Fahrzeug. Daher wurde nix aus dem angebotenen Deal. Wenn ich mich recht entsinne, wurde das gute Stück von Herrn Fritz nach meiner Absage an das Hard Rock Café in Berlin verkauft.

VIPs in Bavaria

Postkarte von U2 aus dem RockmuseumIm Münchner Stadtteil Nymphenburg liegt der Botanische Garten. Ein beliebter Anlaufpunkt für Touristen aus aller Welt. So auch damals für vier junge Leute aus Irland mit noch geringem Bekanntheitsgrad.

Sie genossen in der bayerischen Landeshauptstadt Kaffee und Kuchen im Café Palmengarten unerkannt unter vielen anderen Gästen. Eigentlich wollten die Boys, die ihre Band – warum auch immer – nach einem berühmten Spionageflugzeug benannt hatten, nur eine Postkarte in ihre Heimat absenden. Doch sie waren begeistert, wie nett der Ober sie in diesem Cafe bedient hatte. Sie freuten sich darüber, damals noch ungewohntes VIP-Treatment zu erhalten und auf einen echten U2-Fan zu treffen.

So entschieden sie sich spontan dem freundlichen Servicemann eine Freude zu machen und signierten ihm die Postkarte. Von dort gelangte sie Jahre später ins Rockmuseum und war stets ein sehr beliebtes Exponat aller Fans von Bono & Co.

Karten-Boom und Bum-Bum bei Led Zeppelin

LED ZEPPELIN – Einer der ganz großen Namen in der Rock History. Bei ihrem letzten gemeinsamen Konzert im Jahr 2007 ohne den mittlerweile verstorbenen Schlagzeuger John Bonham brachen sie einen Rekord nach dem anderen. Im „Guinness Buch der Weltrekorde“ sind sie mit der höchsten Nachfrage, die jemals für Konzerttickets bestand, geführt. Satte 20 Millionen (!!!) Menschen wollten eine Eintrittskarte haben. Es gab aber nur 20.000 Karten, die in Rekordzeit ausverkauft waren. Die Schwarzmarktpreise gingen in astronomische Höhen.

Da hatten es die Münchner Rockfans im Jahr 1973 deutlich leichter. Die Olympiahalle war nicht einmal ausverkauft. Für müde 14,30 Deutsche Mark konnte man dabei sein. Der Kritiker der Abendzeitung war wenig begeistert und sprach von 20 Minuten guter Musik. Davon waren alleine 15 Minuten dem Song „Whole lotta Love“ gewidmet, wie Rockmuseums-Direktor Herbert Hauke als Augen- und Ohrenzeuge berichten kann. Der Rest des Abends war nach Einschätzung des Kritikers “BUM-BUM”. Hoffentlich war beim Abschiedskonzert der Band im Jahr 2007 weniger BUM-BUM dabei.

 

Huch, was ist denn das? Ein Rauschgift-Informations-Festival?

Ja, anno 1970 sickerten so allerlei seltsame Heilkräuter fast über Nacht nach Deutschland ein. „Haschu Haschisch in den Taschen, haschu immer was zu naschen“, war der gängige Slogan aller Nachwuchs-Hippies. Die Behörden ratlos, die Eltern besorgt und Juliane Werding beklagte auch noch den Verlust von Conny Kramer (übrigens nach der Melodie von „The Night they drove old Dixie down“ der amerikanischen Protest-Ikone Joan Baez). 

So flatterte dem ehrwürdigen Circus Krone ein merkwürdiger Abend ins Haus, der mehr Fragen als Antworten hinterließ. Die legendäre Musikjournalistin Ingeborg Schober schrieb eine denkwürdige Kritik. Das ausgerechnet Gitarrengott Jimi Hendrix am Tag der Veranstaltung an Drogenmissbrauch starb, ist schon ein sehr, sehr gruseliger Zufall.

Wenn man sich die Zahlen der Drogentoten seit 1970 und den heutigen Drogenkonsum anschaut, muss man konstatieren, dieses Festival war ein totaler Flop. Außer für die Münchner Drogendealer, die an jenem Abend das Motto wohl völlig falsch verstanden haben mussten und fröhlich und unbehelligt beste Umsätze tätigten.

Tierische Zeiten in München

Pink Floyd, Pioniere der „Psychedelic-Ära“, feierten 1977 in München die Veröfentlichung ihres neuen Albums „Animals“. In Sergio Cosmais Disko EASTSIDE im Motorama an der Rosenheimer Straße versammelte sich dazu ein erlesener Kreis der seltensten Szene-Tierchen, um animalisch abzufeiern. Das Ganze startete erst eine halbe Stunde vor Mitternacht. Dann aber brachten sich Schweine, Hunde und Schafe der Münchner Szene in allerbester Stimmung gemeinsam um die Nachtruhe.

Selige Zeiten, als die Plattenfirmen noch in Geld schwammen und der Fantasie keine Grenzen gesetzt waren. Millionen von Tonträgern von einem Album abzusetzen, diese Zeiten sind endgültig vorbei. Und damit auch die rauschenden Feste der Promotion-Abteilungen. Heute muss man, statt von herunter regnenden Dollarscheinen zu träumen, wieder ganz brav gewöhnliche Schäfchen vor dem Einschlafen zählen.

Eintrittskarten als Zeitzeugen

Eintrittskarte zu

 

Selbst nach einem halben Jahrhundert kann eine Eintrittskarte noch viel erzählen. Der Münchner Komponist und Allround Künstler Eberhard Schöner präsentierte unter dem Thema „Rock meets Classic“ die spannende Verbindung von Rockmusik und Klassik.

Im Rahmen seiner Proben und Konzerte entdeckte er sozusagen nebenbei einen späteren Weltstar. Ein unscheinbares Talent namens Gordon Matthew Sumner wurde von Eberhard Schöner gefördert und sollte im Lauf der nächsten Jahrzehnte mit dem Künstlernamen Sting und seiner „Polizeiband“ für reichlich Furore sorgen. Im Rahmen von „Rock meets Classic“ konnte man den legendären Drummer Pete York von der Spencer Davis Group im Zusammenspiel mit Künstlerkollegen von Deep Purple und Roxy Music bewundern. Meister Schöner und seinerzeit das Symphonie Orchester von Radio Luxemburg sorgten in der Olympiahalle für Begeisterung.

Von den damaligen 18 DM Eintritt „zwickte“ sich die Stadt München 30 Pfennig pro Karte ab, um das Wohnungsbauprogramm nach den Olympischen Spielen 1972 zu füllen. Somit hat der damals 18-jährige Rockmuseums-Gründer Herbert Hauke mit seinem sauer verdienten Taschengeld für neuen Wohnraum in der bayerischen Landeshauptstadt gesorgt. Zwar nur mit 30 Pfennig, aber Kleinvieh macht eben auch Mist, beziehungsweise neue Betonburgen.

 

Konzertplakate: Kunst und Zeitgeschichte

Konzertplakat von Mott The Hoople

Wirken heute so manche Konzertplakate sehr fantasiefrei und ausdruckslos, lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit. Mit viel Fantasie, Farbe und Ideenreichtum wurden Konzerte in den Siebziger Jahren beworben. 

Hier ein schönes Beispiel aus dem Archiv von Herbi Hauke: das Konzertplakat für „Mott the Hoople“ aus dem Jahr 1974. Selbst wenn der eine oder andere die Band heute vielleicht nicht mehr kennt, das Artwork ist immer noch einen Blick wert. Der damalige Veranstaltungsort, das Theater an der Brienner Straße, war in den 1970ern sehr beliebt für Konzerte. Auch die Band Queen absolvierte 1974 dort ihren ersten Gig in München. 1983 bezog das Münchner Volkstheater die Räumlichkeiten. 

Nun aber zurück zu den Konzertplakaten. Wenn Sie Herbi eine Freude machen wollen: Ab in den Keller und nachschauen was Papa und Mama da so gesammelt haben! Das Rockmuseum freut sich über jeden Neuzugang, insbesondere wenn es Altpapier in dieser schönen Form ist.

 

Konzertfotografie, ihre Unsinnigkeiten und wie Art Garfunkel als Karikatur endete

Ob der normale Zuschauer überhaupt ahnt, was für Kreuzgänge die Fotografen oft hinter sich haben, bis sie irgendwann geschlossen im Konzertsaal aufmarschieren, wenn es gut geht, in den Graben, wenn es nicht so gut geht, 20 Meter von der Bühne weg, auf die Knie in den Dreck, oder was auch immer den Managements so einfällt. Nun ist es nicht so, dass man die Bilder an die Presse gibt, auf denen der Künstler gerade sabbert, die Zunge heraushängen hat oder sonstwie blöd aussieht. Immer aber glaubt das Management hier Hilfe leisten zu müssen. Besonders beliebt sind Verträge, die die Bildverwendung einschränken, oder einfach die Bildrechte kostenlos einfordern, um damit den kompletten Merchandisingbereich abzudecken, ohne die Fotografen zu bezahlen. Die Künstler wissen in der Regel nichts davon, wundern sich, dass die Fotografen nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Aus diesem Grund habe ich auch meine Aktivitäten diesbezüglich weitgehend eingestellt.

Ein sehr „gelungener“ Abend war 2006 das Konzert von Art Garfunkel in München. Dort traf ich auf ein Management, welches sich offensichtlich ausschließlich damit beschäftigte, wie man den Fotografen am Meisten auf den Wecker geht. Zunächst wurden nur zwei Fotografen zugelassen. Ich war einer davon. Das Konzert war bestuhlt und wir sollten uns vor die Leute stellen, die auf ihren Stühlen sitzend, sicher mehr sehen wollten als unsere Hintern. Im Zuschauerbereich mittig war ein Podest aufgebaut mit einem Mischpult, und ein amerikanischer Kameramann sollte, über die Leute hinweg, das Konzert filmen.

Nachdem es einen nicht abreißenden, ständigen Zoff mit den Zuschauern gab, bereits zwei Ordner einschreiten mussten, fragte ich den Filmer, ob wir vor ihm stehen könnten. „No problem, buddy“, lautete die Antwort und so standen wir bis zwei Minuten vor dem Konzert dort, bis ein Manager, dem Herzinfarkt nahe, hinter der Bühne vorstürzte und schon von weitem mit Händen und Füßen gestikulierte, wir müssten sofort da weg, der Art hätte keinen Blickkontakt zu seinem Tonmeister. Nun muss man wissen, dass der Art seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, weitgehend die gleichen Songs singt und er doch bald einmal drei Songs, ohne den Blick auf den Tonmeister performen können sollte. Dann explodierte die Bühne, Art Garfunkel stand wie festgenagelt hinter dem Mikro, hob einmal die Linke und zweimal die rechte Hand, ansonsten nahezu unbewegt. Zeit genug ihn zu malen, denn es gab noch ein kleines Problem. Ich hatte zwei Bildvorbestellungen, durfte aber nur ein Medium beliefern. So kam es, dass ich Art malte und damit das zweite Medium belieferte. Wurde sogar veröffentlicht und mit ein paar witzigen Zeilen beschriftet.

It’s only Rock’n’Roll …

Eine schöne Zeit,

Ihr Sigi Müller

 

Das erste Konzert in der Olympiahalle – Deep Purple 1973

Das Wort historisch ist für diese beiden Sammlerstücke aus dem Archiv des Rockmuseums nicht zu hoch gegriffen. Hatte München bis zum Bau der olympischen Sportanlagen für Rockkonzerte doch nur Konzertstätten mit überschaubarer Kapazität. Die nacholympische Nutzung der für Olympia 1972 errichteten Hallen und des Olympiastadions kam zufällig genau zur richtigen Zeit.

Denn Anfang der Siebziger Jahre waren sogenannte „Supergroups“ wie Led Zeppelin, Pink Floyd oder Emerson, Lake & Palmer zu Zuschauermagneten geworden, für die die kleinere Hallen längst nicht mehr ausreichten. Sie alle hätten wohl München nicht mehr als Veranstaltungsort gewählt, da ihnen der Circus Krone oder der Kongresssaal im Deutschen Museum zu wenig Fassungsvermögen geboten hätten.

Da kam der mutige Schachzug des Olympiaparks gerade recht, unter anderem die Olympiahalle für Konzerte zu nutzen. Den erste Testlauf sollte die Hard-Rock-Legende Deep Purple durchführen. Einzig Gitarrist Ritchie Blackmore bekam die Auflage, seine berüchtigte Gitarren-Zerstörungsorgie an diesem Abend zu unterlassen. Wohl um das Publikum nicht allzu sehr aufzupeitschen.

Der 21. Januar 1973 wurde ein absoluter Meilenstein zum Start einer jahrzehntelangen Serie von Rockkonzerten im Olympiapark. Obwohl Deep Purple die Halle mit sage und schreibe 10.000 Watt pro Quadratmeter beschallten und auf dem Höhepunkt ihres Schaffens waren (Anspieltipp: „Deep Purple – Made in Japan“), gab es keinerlei Vorfälle oder Probleme in der nagelneuen Olympiahalle.

Die Feuertaufe wurde bestanden, obwohl die Hardrocker aus England mit gewaltigem Sound gleich mal die Haltbarkeit der Halle getestet hatten. Mit „Highway Star“, „Smoke on the Water“, „Black Night“ und „Child in Time“ hatten sie einen großen Eindruck bei den anwesenden „Testpersonen“ hinterlassen.

Übrigens auch bei Rockmuseums-Gründer Herbert Hauke, der sich seinerzeit die 15,30 Deutsche Mark Eintritt von schlappen 20 DM monatlichem Taschengeld abgespart hatte.