Der Liedermacher Konstantin Wecker steht seit Monaten im Zentrum kritischer Berichterstattung. Mehrere Frauen haben gegenüber der Süddeutschen Zeitung geschildert, dass sie in jungen Jahren intime Beziehungen mit dem deutlich älteren Musiker aus München hatten. Eine dieser Frauen, Marie Franz (Foto: Michaela Grönnebaum), hat ihre Erlebnisse nun literarisch verarbeitet. Am 10. Juni 2026 erschien ihr autobiografisch geprägtes Buch „Auserwählt“. Darin verbindet sie Prosatexte und Lyrik, um ihre damaligen Erfahrungen zu reflektieren. Zugleich möchte sie eine breitere Diskussion über Machtmissbrauch, Abhängigkeit und Verantwortung anstoßen.
Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung hatte Franz zuvor schon beschrieben, wie sie als 17-Jährige ein großer Fan des Künstlers war und seine Konzerte besuchte. Bei einem Auftritt sei sie ihm aufgefallen. Es entwickelte sich eine intime Beziehung zwischen der jungen Frau und dem damals 58-jährigen Musiker. Sie schilderte, dass Wecker ihr das Gefühl gegeben habe, etwas Besonderes zu sein. Es sei schließlich auch zu sexuellen Begegnungen gekommen. Danach habe es weiterhin Kontakt gegeben, mit Telefonaten und Nachrichten. Rund zwei Jahrzehnte später bewertet Marie Franz die Situation anders. Die inzwischen 38-Jährige betont, dass aus heutiger Sicht aufgrund des erheblichen Altersunterschiedes und Machtgefälles nicht von echter Einvernehmlichkeit gesprochen werden könne.
Recherchen der Süddeutschen Zeitung
Auslöser für die aktuelle Debatte war eine Recherche der Süddeutschen Zeitung Ende 2025. Darin wurde u.a. der Fall einer anonymen Frau geschildert, die nach eigenen Angaben mit 16 Jahren eine intime Beziehung zu Wecker hatte, während dieser 64 Jahre alt gewesen sein soll. Über seinen Anwalt ließ Wecker damals erklären, er habe in dieser Zeit stark unter Alkoholeinfluss gestanden und sei nicht Herr seiner Sinne gewesen. Für sein Verhalten bat er um Entschuldigung.
In der Folge meldeten sich neben Marie Franz zwei weitere Frauen, die ähnliche Erfahrungen schilderten. Auch sie gaben an, als Teenagerinnen Fans gewesen zu sein und Wecker bei Konzerten kennengelernt zu haben. Laut ihren Aussagen gingen die intimen Annäherungen jeweils von ihm aus. Teilweise hätten sich daraus über Monate andauernde Beziehungen entwickelt, die neben sexuellen Kontakten auch intensive Gespräche umfassten. Zugleich berichteten die Frauen, dass sie gebeten worden seien, die Beziehungen geheim zu halten. In einem Fall soll es zudem eine Zahlung in Höhe von mehreren Tausend Euro gegeben haben.
Rechtlich bewegen sich die geschilderten Fälle in einer Grauzone, da sexuelle Beziehungen mit 17-Jährigen grundsätzlich nicht strafbar sind. Dennoch verweisen Fachleute auf die Problematik von deutlichen Macht- und Altersunterschieden, die die Freiwilligkeit solcher Beziehungen infrage stellen können. Die möglichen langfristigen Folgen beschreibt auch Marie Franz, die heute von nachhaltigen emotionalen Auswirkungen spricht.
Konstantin Wecker wurde von verschiedenen Medien um eine Stellungnahme gebeten. Sein Anwalt erklärte jedoch, der Musiker sei aus gesundheitlichen Gründen derzeit nicht in der Lage, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Eine der SZ vorliegende ärztliche Bescheinigung bestätigt, dass Wecker sich aktuell nicht erinnern könne. Bereits Ende 2025 hatte Wecker, der früher auch das Kaffee Giesing betrieb, aufgrund einer neurologischen Erkrankung alle weiteren Auftritte abgesagt.
Anmerkung der Redaktion: Wir wissen, dass wir mit dem Thema Beziehungen zwischen Stars und Fans ein schwieriges Terrain betreten, wollen aber das Bewusstsein für mögliche negative Auswirkungen dieser ungleichen Konstellation stärken. Wir wünschen an dieser Stelle zum einen Konstantin Wecker gute Besserung, zum anderen den betroffenen Frauen, dass sie die Vorfälle für sich gut verarbeiten können.


