„Let me see you stripped“ ist zwar ein bekannter Refrain von Depeche Mode, aber er passt ganz aktuell irgendwie auch zu Oasis. Denn die Britpop-Stars setzen für ihre 2027er-Tour voraus, dass Fans sich bis Donnerstag, 17. September, 17 Uhr mit allen möglichen persönlichen Angaben registrieren, um überhaupt die Chance auf Tickets zu haben. Eine insgesamt etwas befremdliche Entwicklung bei den Big Playern der Branche, die wir nun einmal zum Anlass nehmen, um das Procedere kritisch zu beleuchten.
Es war einmal ein einfacher Tausch: Geld gegen Eintrittskarte. Man ging zur Kasse, bezahlte bar oder mit Karte, erhielt sein Ticket – und niemand wusste danach, wer man war, wo man wohnte oder welche Musik man sonst noch hört. Heute ist aus diesem anonymen Akt ein digitaler Beichtstuhl geworden. Bevor Fans überhaupt die Chance auf ein Ticket haben, verlangen große Konzertveranstalter immer öfter eine Vorab-Registrierung mit vollständigen Personalien.
Von der Schwarzmarkt-Kontrolle zur absoluten Datenhoheit
Was als Maßnahme gegen Bot-Käufe und Schwarzmarkt begann, hat sich zu einer stillen Normalität entwickelt, die weit über den eigentlichen Zweck hinausgeht: Der Fan muss sich komplett „ausziehen“, bevor er Eintritt erhält. Name, Adresse, E-Mail, teils sogar Geburtsdatum und weitere Daten werden zur Voraussetzung für die Teilnahme am Vorverkauf. Aus einem simplen Ticketkauf wird ein Datengeschäft, bei dem der Veranstalter nicht nur den Eintritt, sondern auch die Kontrolle über sein Publikum gewinnt.
Diese Entwicklung ist mehr als nur ein technisches Update – sie markiert einen grundlegenden Machtwechsel zwischen Veranstalter und Fan. Und sie wirft die Frage auf: Wem gehört eigentlich das Konzert? Dem Künstler, dem Publikum – oder jenen, die die Datenströme kontrollieren? Aktuellstes Beispiel ist die geplante Tour von Oasis. Die Gallagher-Brüder und ihre Band kommen Anfang Juli 2027 für zwei Konzerte – die einzigen in Deutschland – auch nach München.
Um eine Chance auf Tickets zu haben, müssen Oasis-Fans sich bis zum 17. September um 17 Uhr über einen Link registrieren. Auf der Seite heißt es gleichzeitig aber auch, die persönliche Registrierung sei noch keine Ticketgarantie. Aus dem Registrierungspool werden nach dem Zufallsprinzip Personen herausgefischt, die dann einen individuellen Code mit Termin für den Zugang zum Ticketverkauf zugeschickt bekommen. Drei Verkaufstermine, vom 25. bis 27. September, soll es geben, um Wartezeiten zu reduzieren. Der Ticketverkauf findet über Ticketmaster statt.
Foto: Oasis / Live Nation International

