Heute Abend (9. Januar) wird erstmals ein interessanter Bezug hergestellt, zwischen Philosoph Jürgen Habermas und dem Münchner Musicland-Studio mit seinen Protagonisten Giorgio Moroder und Donna Summer. „Habermas Disco“ ist eine choreografische Jam Session von Micha Purucker. Die Aufführung spielt mit einer unglaublichen lokalen Koinzidenz aus dem München der späten Siebzigerjahre: Habermas treibt in Starnberg die kritische Gesellschaftstheorie voran und forscht zu seiner einflussreichen Theorie des kommunikativen Handelns, während Giorgio Moroder in den Musicland Studios im Arabellapark mit Donna Summer an „I feel love“ und dem Sound of Munich arbeitet.
Die immer noch aktuelle Desillusionierung bezüglich vieler Fragen und Probleme trifft auf Songs einer Zeit, die geprägt war vom Glauben an einen gesellschaftlichen Aufbruch, an die Möglichkeit eines fairen und gerechten Miteinanders. Die Disco als egalitärer Ort eines aufbrechenden Hedonismus. Heute sitzen wir ernüchtert in den Trümmern des damaligen Aufbruchs. Die Euphorie ist verflogen, die Fragen, der Rhythmus geblieben. Um den Rhythmus in „Habermas Disco“ kümmert sich Robert Merdžo. Der Münchner Musiker und Komponist hat schon früh Technosound produziert, inzwischen tritt er mit seinen experimentellen Klängen auch viel bei Theater- und Tanzproduktionen in Erscheinung. Im Gedächtnis geblieben ist hier seine Kooperation mit dem legendären Aktionstheater La Fura Dels Baus.
Nun also „Habermas Disco“. Die Uraufführung ist am 9. Januar im Schwere-Reiter-Theater im Kreativquartier an der Dachauer Straße. Am 10. und 11. Januar bestehen zwei weitere Chancen, die Performance mitzuerleben. Das Publikum ist an allen drei Abenden eingeladen, den Tänzerinnen und Tänzern zu den Orten ihrer Auftritte zu folgen. Es gibt keine Bestuhlung. Alle weiteren Infos und den Ticketlink findet ihr hier!

